KONSUMENTEN 1 Brüssel: EU klagt Gratisdetail- rechnung ein Die EU-Kommission setzt sich für Österreichs Tele¬ fonkunden ein: Weil die Telekom Austria ihren Kunden nach wie vor eine kostenlose detaillierte Te¬ lefonrechnung verweigert, wird die EU Klage gegen die Republik Österreich erheben. Eine gesetzliche Ver¬ pflichtung für detaillierte Gratisaufschlüsselungen besteht in Österreich noch immer nicht, obwohl be¬ reits seit 1998 dazu eine zwingend umzusetzende EU-Richtlinie besteht. Ein österreichischer Bürger hat sich nunmehr direkt an die EU-Kommis- sion gewandt: »Ich will ein¬ fach eine anständige Rech¬ nung, wenn ich schon so viel Geld zahlen muss.« Die Telekom Austria ist wohl bereit, dem Drängen ihrer Kunden auf eine ge¬ naue Auflistung der Telefo¬ nate, einen so genannten Einzelgesprächsnachweis, nachzugeben. Allerdings gebührenpflichtig. Die Telekom ist vorläu¬ fig noch im Recht. Denn laut geltendem Telekom¬ munikationsgesetz (TKG) muss kein Anbieter eine derart detaillierte Rech¬ nung von sich aus anferti¬ gen. Erfolgt dies auf Wunsch des Kunden doch, darf dafür kassiert werden. So stellt die Telekom dafür 4,36 Euro zuzüglich einer Gebühr von 0,0087 pro Bu¬ chungszeile in Rechnung. Privatanbieter UTA gibt 200 Gespräche gratis be¬ kannt; eine komplette Liste kostet 4,36 Euro. Auch Mobilkom, T-Mobile und tele.ring verrechnen ihren Privatkunden zwischen zwei und fünf Euro. Beschwerde gegen die Republik Unternehmen wie Tele2 oder One, die detaillierte Auflistungen kostenlos lie¬ fern, tun dies auf freiwilli¬ ger Basis. Bereits seit 1998 gibt es dazu eine zwingend umzusetzende EU-Richtli¬ nie: In Artikel 14, Absatz 2 der Richtlinie 98/10/EG heißt es: »Eine Grundform der Einzelgebührenerfas¬ sung wird ohne zusätzliche Gebühren zur Verfügung gestellt.« Post von Prodi Da der österreichische Kunde bei der Aufsichts¬ behörde der Telekom, im Verkehrsministerium, mit seinem Hinweis auf die EU-Vorgabe auf taube Oh¬ ren stieß, wandte er sich di¬ rekt an die Europäische Kommission. »Ich habe«, so der Bürger, »eine Be¬ schwerde gegen die Repu¬ blik Österreich wegen Nichtumsetzung dieser Richtlinie eingebracht.« Nach mehreren Brief¬ wechseln bekam der Tele¬ kom-Kunde kürzlich Post direkt aus dem Büro von Kommissionspräsident Ro¬ mano Prodi. »Mit diesem Schreiben erlaube ich mir, Ihnen mitzuteilen, dass die Kommission, unter ande¬ rem aus Anlass Ihrer Be¬ schwerde (...), beschlossen hat (...), Klage vor dem Ge¬ richtshof der Europäischen Gemeinschaften zu erhe¬ ben«, heißt es darin. Woher kommt die hohe Telefonrechnung? Wird es künftig detaillierte Abrechnungen geben, und zwar ohne zusätzliche Kosten? Zwar liegt im Büro von Verkehrsminister Mathias Reichhold »ein Entwurfzur Novellierung des TKG«. Das Thema Einzelge¬ sprächsnachweis wird da¬ bei allerdings nur gestreift. Der neue Paragraph er¬ klärt zwar, dass jemand auf eine detaillierte Auflistung aller Gespräche verzichten kann, räumt dem Kunden aber nicht das Recht darauf ein. Und auch die Frage der Vergebührung sol¬ cher Listen bleibt unbe¬ handelt. (Bac) J J&fcTEitlSKitEII IM Kapital ahta Rind 22 «rbefi ; wirtsehiift 1/2003