FRAUEN Gewerkschaften darum, die Fraueneinkommen an die der Männer anzugleichen. Höhere Frauenlöhne: Gerechtigkeit Monika Kemperle, Zen- tralfrauensekretärin der Ge¬ werkschaft Metall - Textil, ist das Durchforsten der Kollektivverträge nach Be¬ nachteiligungen ein großes Anliegen. »Wenn man sich in das Thema vertieft, kommt man auf viele Un¬ gereimtheiten drauf, die ei¬ nem gar nicht so bewusst sind. Für Eheschließungen gibt es zum Beispiel drei Arbeitstage frei, bei einer Geburt bekommt der Ehe¬ mann oder Partner nur ei¬ nen Tag frei - das ist an¬ scheinend ein Ereignis, das den Vater vor weniger Auf¬ gaben stellt als die Mutter. Die würde sich aber sicher freuen, die neue Aufgabe länger mit dem Vater zu tei¬ len«, erklärt Monika Kem¬ perle. »Die Einkommensunter¬ schiede zu verkleinern heißt nicht, den Männern etwas wegzunehmen. Da¬ bei haben die Gewerkschaf¬ ten noch nie mitgespielt, dass einer Gruppe etwas weggenommen wird, damit dann alle die gleichen - schlechteren - Rechte ha¬ ben. Es geht einfach um mehr Gerechtigkeit. Wenn ein Chauffeur in früheren Berufen Fahrpraxis erwor¬ ben hat, wird das angerech¬ net, bei einer Arbeiterin im Textilgewerbe geht man einfach davon aus, dass sie bügeln oder nähen kann, und das wird in der Einstu¬ fung oder Entlohnung nicht berücksichtigt. Ist das ge¬ recht?« GM in Gewerkschaften In den Interessenvertre¬ tungen der Arbeitnehme¬ rinnen und Arbeitnehmer in Österreich ist die Diskussi¬ on über Gender Mainstrea¬ ming in unterschiedlicher Weise fortgeschritten. Manche Gewerkschaften haben dazu konkrete Be¬ schlüsse gefasst, andere be¬ ginnen gerade, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Ein EU-Projekt setzt sich seit rund einem Jahr ausführlich mit der Umsetzung von Gender Mainstreaming in den In¬ teressenvertretungen der Arbeitnehmer in Osterreich auseinander. Unter der Lei¬ tung des Diversity Cent- re/Salzburg sind ÖGB, AK Wien, GMT und GPA Ko¬ operationspartner des Pro¬ jektes mit dem Titel »Die Herausforderung von Gen¬ der Mainstreaming für die Gewerkschaften in Europa: Wie kann Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsplatz und im Alltagsleben von den Ge¬ werkschaften gefordert werden?« Erste Ergebnisse wurden anhand von Inter¬ views mit Fachleuten der Interessenvertretungen und aus statistischem Material gewonnen. Erhoben wurde zum Beispiel der Anteil der weiblichen Mitglieder nach Fachgewerkschaften. Hier zeigt sich, dass dieser sich an der geschlechtsspezifi¬ schen Teilung auf dem Ar¬ beitsmarkt orientiert. Die meisten weiblichen Ge¬ werkschaftsmitglieder gibt es bei HGPD, GdG, GÖD und GPA, die wenigsten bei Bau-Holz, Eisenbahnern, Chemie und GMT. In den Entscheidungsgremien des ÖGB (Bundesvorstand, Präsidium. Landesexekuti¬ ven und Landessekretaria¬ te) ist die Repräsentanz von Frauen gering, obwohl es seit 1996 einen geringfügi¬ gen Anstieg gibt. Der An¬ teil der Frauen in den Gre¬ mien der Fachgewerkschaf¬ ten ist höher als jener im ÖGB, obwohl auch dort die Funktionen geschlechts¬ spezifisch aufgeteilt sind: Es gibt z. B. keine weibli¬ chen Vorsitzenden und nur eine Zentralsekretärin. GM in Betriebsräten In den zehn untersuchten Fachgewerkschaften gibt es insgesamt 86.614 Betriebs¬ rätinnen und Betriebsräte, 33,7 Prozent Frauenanteil. Die Frauen sind aber mehr¬ heitlich Betriebsrätinnen und Ersatzbetriebsrätinnen und nicht Vorsitzende der BRs. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Allein die Sitzungskultur und termin¬ lichen Vorgaben halten vie¬ le Frauen davon ab, sich als Betriebsrätinnen zu enga- r fjoni hi'hen leb in dev Mum Un&pe.- »\ //// 5i