icc Diskussion BILANZSKANDALE Die Auswirkungen dieser Skandale sind gravierend. Die Aktienkurse der betroffe¬ nen Unternehmen sind in den Keller gefallen, der Aktienmarkt ist in der Folge noch nervöser geworden als er vorher - etwa durch den 11. Septem¬ ber - ohnedies schon war. Im Som¬ mer 2002 erreichten die Börsen schließlich wieder den Tiefstand des 11. September 2001. Wieder einmal ist auch deutlich geworden, wie un¬ sicher langfristige Ansparpläne und Pensionsvorsorgesysteme auf dem Kapitalmarkt sind. Die En¬ ron-Mitarbeiter etwa haben einen Großteil ihrer Pensionsvorsorge auf die Entwicklung der eigenen Aktie aufgebaut - sie ist mittlerweile von 85 US-$ auf 25 US-Cent gefallen und damit wertlos. Bilanzskandale gibt's überall Dass Bilanzskandale kein rein amerikanisches Spezifikum sind, ha¬ ben unlängst auch Fälle in Österreich gezeigt. Die bekanntesten sind wohl der Riegerbank- und der Bank-Bur- genland-Fall. Bei der Bank Burgen¬ land ist ein Schaden von 170 Millio¬ nen € durch gefälschte Bilanzen ei¬ nes Großkreditnehmers entstanden. Auch die Pleiten von Libro, Cyber- tron und Y-Line weisen auf einen problematischen Umgang mit der Publizität hin, frisch gebackene Ak¬ tionäre müssen statt erhofften Kurs¬ gewinnen einen Totalverlust des ein¬ gesetzten Kapitals hinnehmen. In Oberösterreich sorgte 2001 die Pleite des Kunststoffherstellers Steiner für Aufsehen, der mit gefälschten Bilan¬ zen seinen ausländischen Aktionär täuschen wollte. Ursachen Die Ursachen dieser Skandale sind vielfältig. Der Turbokapitalis¬ mus mit seiner überbordenden Sha- reholder-Mentalität dürfte aber wohl eine der Haupttriebfedern sein. Die Unternehmenspolitik wird überwie¬ gend auf kurzfristige Werterhöhung ausgerichtet, die Aktionäre - vor allem Fondsmanager - setzen die Unternehmen gehörig unter Druck. Dazu gesellt sich oft blinder Opti¬ mismus von so manchem Aktien¬ analysten. Gefragt sind rasche Kurssteige¬ rungen, die Manager müssen unun¬ terbrochen mit tollen Unternehmens¬ zahlen aufwarten. Konzernchefs sind zunehmend bereit, »aggressive Bilanzierungsmethoden« anzu¬ wenden. Es geht schließlich auch um ihre eigene Börse. Immer mehr Firmen bezahlen ihre Führungskräfte mit Optionen, deren Wert von der Ent¬ wicklung des Aktienkurses abhängt. Allein im vergangenen Jahr ließen sich 140 Unternehmen in der BRD Optionsprogramme genehmigen. In Österreich ist die Situation nicht viel anders. Wer den Kurs zur rechten Zeit nach oben treibt, kas¬ siert kräftig. Angeregt werden die Kursphantasien oft durch wenig überlegte Wachstumsstrategien in Form von MegaÜbernahmen und Umstrukturierungen, die meist mit einem hohen Anteil von Fremdkapi¬ tal finanziert werden. Kleine Kon¬ junkturdellen können dann das ra¬ sche Ende dieses Traumes bewirken. So geschehen etwa in der New Eco- nomy im vergangenen Jahr. Der österreichische Cor¬ porate Governance Kodex Die wichtigsten Inhalte im Auszug: • Unterlagen für die mindestens quartalsweise Aufsichtsratssitzun¬ gen sind im Regelfall eine Woche vor der jeweiligen Sitzung zur Ver¬ fügung zu stellen. • Die Compliance-Verordnung soll im gesamten Unternehmen um¬ gesetzt werden. • Offenlegung von Aktienbestän¬ den (der eigenen Gesellschaft) des Vorstandes und Aufsichtsrates. • Veröffentlichung der Struktur der Vergütungen des Vorstandes im Geschäftsbericht. • Empfehlung, mehr als 4 Auf¬ sichtsratssitzungen im Jahr abzu¬ halten. • Einrichtung eines Audit Commit- tees sowie eines Strategieaus¬ schusses im Aufsichtsrat. • Klarstellung, dass Betriebsräte und Kapitalvertreter im Aufsichtsrat gleichberechtigt sind. • Empfehlungen über die Zusam¬ mensetzung und Qualifikation der AR-Mitglieder. • Empfehlungen über Rech¬ nungslegungsstandards. • Betonung der Unabhängigkeit der Wirtschaftsprüfer. Mangelnde Sorgfalt bei den Prüfern Aber auch die prüfenden Organe - insbesondere die Wirtschaftsprüfer und Aufsichtsräte - kommen bei die¬ sen Skandalen wieder einmal nicht gut weg. Ihnen wird vorgeworfen, 1/2003 »rbotl wirtschalt 31